Montag, 29. Juni 2009

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel


Nach dem Spiel ist vor dem Spiel


Anknüpfend an meinen Artikel "Das Große Spiel" möchte ich mich einer Frage widmen, die mir bezüglich dieses Themas gestellt wurde: Was ist, wenn der Mensch alle Manipulationen durchschaut hat, das Selberdenken zu seinen Eigenschaften machte, die Initiatoren des Spiels demaskiert hat? Wie geht es dann weiter?

An dieser Stelle kam mir die Frage in den Sinn, ob dahinter vielleicht genau die Angst des Menschen stecken könnte, nicht zu wissen, was danach kommt. Entschließt er sich deshalb ein halbblindes Leben zu führen, weil er essentielle Umwälzungen scheut, die seine bisherigen Konzeptionen bedrohen könnten? Weil er keine Autorität mehr erfahren kann, die ihm auf direktem Wege sagt, wo es lang geht? Weil er fortan selbstverantwortlich durchs Leben schreiten müsste? Weil es keinen Schuldigen mehr gäbe, außer sich selbst?

Nichtsdestotrotz bleibt es eine interessante Frage, deren Hintergrund zunächst mal beiseite geschoben werden soll. Interessant deshalb, weil sie einen tatsächlichen Aspekt anspricht, der es wert ist betrachtet zu werden.
Bei all unseren Gedanken zum Großen Spiel und der damit einhergehenden Skepsis über die wahren Absichten der Puppenspieler, zusammen mit dem Bestreben diesen Fängen zu entkommen, machen sich offensichtlich tatsächlich wenige Menschen Gedanken darüber, wie es danach weitergeht. Wie soll eine eventuelle Gesellschaftsform strukturiert sein? Welchen Leitlinien (nicht zu verwechseln mit den Spielregeln des Großen Spiels!) bilden den Rahmen dieser Gesellschaft? Womit werden bisherige Systeme ersetzt? Wodurch kennzeichnen sich dann menschliche Ambitionen? Was bedeutet es für die individuellen Erfahrungsebenen?

Alles hochinteressante Fragen, die sich einem da auftun. Fragen schreien gewissermaßen nach einer Antwort, so auch diese. Doch irgendwie bin ich der Überzeugung, daß die Beantwortung der Frage sich zum heutigen Zeitpunkt nicht zufrieden stellend einrichten lässt. Ja, ich bin mir fast sicher, daß eine Antwort erst umfassend gegeben werden kann, wenn es soweit ist!
Und doch lohnt es sich meines Erachtens nach, darüber nachzudenken, mal ins Meer der Möglichkeiten einzutauchen und einen erfassbaren Teil herauszuzirkeln. Jeder auf der Basis seiner eigenen Inhalte.
Haben nicht große Visionen der Vergangenheit die Zukunft des Menschen gestaltet? Führte nicht die Idee, der Glauben an eine Sache letztendlich zum Wissen darüber?

Was war zuerst: die Vision oder die Zukunft?

Einerseits könnte man sagen, die Vision erschuf im Menschen das Bestreben nach Realisierung! Somit stünde die Vision am Anfang. Andererseits könnte man behaupten, der menschliche Verstand wäre in der Lage gewesen, die Zukunft anhand der Zeichen der Zeit im Voraus beschreiben zu können. Somit stünde die Zukunft am Anfang!
Wie auch immer: letzten Endes bestimmt der Mensch seine Zukunft selbst! Egal, wie herum man sich dieses Phänomen betrachtet, er allein erschafft sich seine Welt!

Nun, das ist keine neue Erkenntnis. Im Grunde genommen ist sich jeder dieses Sachverhaltes tief in seinem Inneren bewusst: Jeder ist seines Glückes Schmied, sagt der Volksmund.
Paradox an der Sache ist allein die Tatsache, daß nur die wenigsten danach handeln. Die meisten Menschen laufen wie Schafe auf der Weide durch ihr Leben, immer auf der Suche nach den saftigsten Halmen. Und wenn der Schäfer pfeift, der Hund hechelt, wird immer schön mit der Herde gelaufen, zurück in den sicheren Stall. Kein Gedanke an ein sich selbst bestimmendes Leben. Das wird allenfalls damit gleichgesetzt, die Freiheit zu besitzen, sich welche Ware auch immer kaufen zu können. Wenn sie zwischen Big Mac und Whopper wählen können, zwischen Sat1 und RTL, zwischen DSDS und dem Eurovision Songcontest. zwischen Spiegel und Stern, zwischen rechts und links, oben und unten, jetzt oder morgen, glauben sie ein selbst bestimmtes Leben zu führen.

Ein glatter Trugschluss, wage ich zu behaupten.

"Wollen Sie das Formular ausfüllen oder soll ich das für sie tun?" war mal eine sehr schlechte Abschlussfrage eines Provisionsjägers, die sehr gut verdeutlicht, was ich oben beschreiben wollte. Ihm ist es egal, welche Entscheidung ich treffe, das Resultat ist dasselbe: Ich zahle! Okay, das sind billige Verkäufertricks aber sie entlarven die Systematik, mit der Produkte verkauft werden: man stellt uns vor eine Wahl! Und wir wählen!
Hinterher fragen manche sich, ob sie das Produkt auch eigenständig gesucht und gekauft hätten.

Wo war die freie Entscheidung?

Hey, 10 Minuten vorher wusste man noch gar nicht, dass man die neue M1304 Version des High-Speed-Mega-Bouncers für rechtwinklig angebrachte Quadrophon-Lighter in der Ruhephase braucht!
Sich das bewusst zu machen, ist für die meisten Wohlstandsjunkies schon offensichtlich ein Ding der Unmöglichkeit.
Doch dies wäre eine winzige Facette des Großen Spiels, die man sich klar machen sollte: das Schaffen von Bedürfnissen! Alles beginnt damit, dass man glaubt etwas zu benötigen! Unsere moderne Marktwirtschaft versteht sich daher blendend auf das Schaffen neuer Bedürfnisse.

An diesem kleinen Aspekt möchte ich meine kleine Vision von einer Zukunft nach dem Großen Spiel anschaulich machen: Man stelle sich vor, die Menschen wären sich über die Tatsache bewusst, daß sie nichts bedürfen! Für unsere Grundbedürfnisse ist bekanntermaßen bestens gesorgt, nur schlecht verteilt! Künstliche Bedürfnisse existieren nicht mehr, da der Mensch sich vom wählenden zum selbst bestimmenden Tier entwickelt hat.
Beim Leben im Einklang mit seiner Umwelt, bedarf es auch keiner künstlichen Bedürfnisse. Wer sollte das Bedürfnis haben, sich mittels solcher künstlicher Dinge zu bereichern, wenn sie ja niemand kauft?
Erfindungen sind sinnvoll und gewinnbringend (nicht nur im monetären Sinne), wonach sie an den "höheren" Ambitionen des Menschen ausgerichtet sein werden. Überproduktionen zur marktregulativen Zwecken gäbe es nicht mehr. Das Anhäufen von Reichtum ergäbe keinen Sinn, denn bei 264 Mio. auf dem Konto stellt sich jeder verständlicherweise die Frage, was es dort bewirken soll? Selbst bei 50 Einheiten einer Währung ergäbe es keinen Sinn, für welches Bedürfnis sollte man denn sparen?
Der Mensch hortet nicht mehr, weil er ohne Existenz des Bedürfnisses niemanden übervorteilen möchte, weil er auch darin gar keinen Sinn sehen könnte. Solidarität bekäme einen ganz neuen, alles umfassenden Begriff. Firmen ließen Menschen arbeiten, um ihnen und sich selbst zum Vorteil zu dienen. Die einzelnen Organe des "neuen Körpers" arbeiten mit- und füreinander. Kein Bedürfnis, sich zu profilieren. Denn wozu auch? Wenn ich nichts brauche, gibt es auch keine Bedingungen, um es zu erhalten! Und wenn andere mir nicht sagen, dass ich dies oder jenes brauche, also Bedürfnisse schaffen, geht es auch niemandem besser im Vergleich zu mir. Somit ist niemand exponiert, anders, besser. Welchen Sinn hätten Anstrengungen hierzu dann? Was würde ich glauben tun zu müssen, um schöne Zeiten zu haben, wenn ich doch den Trugschluss der Bedürfnisse verstanden habe?
Wenn niemand besser ist als ich, größer, mächtiger, und wenn ich nicht meinen "alten" Zwängen der egozentrischen Weltsicht unterliege, also kein Gut aus dem Besitz eines anderen brauche, es also keine Bedingungen gibt, wer soll wen dann be- oder verurteilen? Wofür?
Somit lernt der Mensch seine Welt und Mitkreaturen bedingungslos zu lieben und als Teil des gesamten Organismus zu begreifen, mit ihr zu korrespondieren und nicht einen einzigen Aspekt als minderwertig zu betrachten. Ja, sich selbst als Teil des Gesamtwerkes zu verstehen, das in keiner Weise getrennt von einem selbst existiert. Wenn alle Teile sich als gleichwertig und als Gesamtheit verstehen, wer könnte dann noch über ihnen stehen?
Und wer mir bis hierhin folgen konnte, in dieser gerafften Version meiner Vision, kann das sicherlich auch auf logischer Ebene nachvollziehen. Manche sind sich der Zusammenhänge vielleicht sogar bewusst. Also wissen wir, woran wir erkrankt sind!! Wollen es aber nicht wahr haben!

Ignoranz nennt man so was! Genau betrachtet ist es die Ignoranz seines wahren Selbstes gegenüber. Wenn man sich als losgelösten Teil seines eigenen Organismus betrachtet, daß den wahren Körper ignoriert und unkontrolliert weiter wächst und von ihm zehrt, verhält man sich wie ein Krebsgeschwür!
An dieser Krankheit sterben heutzutage die meisten Menschen. Könnte es da Parallelen geben?

Was hindert uns dann an der Realisierung?

Konzeptionen, die konserviert werden müssen? Autoritäten, die manifestiert sein wollen? Eigenverantwortung, die ignoriert wird, um Schuld und Bedingungen von sich zu weisen, damit man gleichzeitig (be-/ver-)urteilen kann, was unter einem steht, um das Gefühl des Besseren zu erhalten? Zuneigung und Solidarität die an Bedingungen geknüpft sind? Liebe, die mit Besitzstreben verbunden ist? Die künstlichen Bedürfnisse? Die manipulativen Vorgänge in den Hinterzimmern unserer gesellschaftlichen Führungskräfte? Das vorgegebene Nichtwissen, die Ignoranz über diese Zusammenhänge?

Nun, wenn man sie (er-)kennt, als was sie sind, nämlich Aspekte einer Scheinwelt, warum setzen wir dieser Täuschung nicht ein Ende?

Das ist es, was ich meine, wenn ich von einem bewussten nächsten Schritt in der Evolution des Menschen spreche.

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